Leserbrief „Aufbegehren ist kein Wunder“ von Regina Krautz

Aufbegehren ist kein Wunder

„Gegen alles sein bringt nicht weiter“ – Mit dieser Überschrift über Leserbriefe vom 1. Oktober unterstellt man den Kritikern der geplanten neuen Müllverbrennungsanlage, die Vorteile dieser nicht zu erkennen und lediglich Fundamentalkritik zu üben.

Dabei ist es kaum verwunderlich, dass man in Jänschwalde dagegen aufbegehrt. Wen sollte es wundern, dass Bürger von Jänschwalde aufbegehren. Seit einem halben Jahrhundert leidet der Ort unter den Belastungen eines der größten Kohlekraftwerke Deutschlands und Europas sowie den Auswirkungen des Braunkohlenabbaus wie Grundwasserabsenkungen und Sandstürmen. Sie hören seit Jahrzehnten das Totschlagargument: „Wir brauchen Arbeitsplätze“.

Ist da nicht der Wunsch nach Veränderung verständlich? Schließlich sitzt die Enttäuschung über bisherige rücksichtslose Ausbeutung der Umwelt und Natur tief.

Leider wird auch der Tonfall in Diskussionen rauer. Wenn dann zu Info-Veranstaltungen eingeladen wird, ist es wohl selbstverständlich, dass Einwohner mit der größten Sachkenntnis diese Veranstaltung moderieren – eben genau, weil dabei etwas rauskommen soll. Die Veranstaltung fand schließlich statt, um über die Bedenken der Bürger zu sprechen.

Auf die Bedenken der Bürger zu reagieren, wäre ein leichtes gewesen, wenn sich Vertreter der Leag den Fragen der Jänschwalder gestellt hätten. Lediglich eine Werbung mit der Information, 50 Arbeitsplätze auf die Firmen-Website zu stellen, geht am Problem vorbei.

Ein Dialog über Für und Wider des geplanten Baus der Müllverbrennungsanlage sollte zu erwartende Schäden, die langfristig für Mensch und Natur entstehen, gebührend berücksichtigen. Mittels Gutachten sollten Probleme benannt werden.

Unterstützung des Amtes Peitz muss für alle gelten, auch für Einwohner mit kontroverser Auffassung. Oft stellt sich die Frage, wessen Interessen vom Amt vertreten werden.

Wenn Menschen resignieren und feststellen müssen, unsere Sorgen zählen nicht, wirtschaftlicher Druck steht für die Politik im Vordergrund, wird der Glaube an die Demokratie nicht gerade befördert.

 

Regina Krautz, Jänschwalde

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